
Von Werner Gartung
Algerien ist problemlos zu bereisen, das Visum gibt es nun bei der Einreise. Weniger als drei Stunden Flug sind es von Frankfurt nach Algier, einer der schönsten Städte am Mittelmeer. Von dort kann man auf sicheren und günstigen Inlandsflügen direkt in Traumoasen fliegen, wie nach Ghardaia. Oder fast 2.000 km südlich ins vulkanische Hoggar-Gebirge.
Von Algier nach Taghit in die Sahara
Schon in Algier, der weißen Stadt am Mittelmeer, kommen wir nicht aus dem Staunen heraus: prächtige weiße Häuser wie in Nizza aus der kolonialen Franzosenzeit stehen am Küstenboulevard; Fahrt mit der modernen Metro (der einzigen auf dem afrikanischen Kontinent) zum ehemaligen Palast des türkischen Gouverneurs am Meer – und hinauf in das Gassengewirr der Altstadt, der Kasbah.
Zwei Tage später katapultiert uns ein Tausend-Kilometerflug von südwestlich nach Béchar nahe der marokkanischen Grenze. Östlich davon erhebt sich ein Gebirge aus Sand. Der Große Westliche Erg ist etwa 300 mal 600Kilometer groß; das Innere wurde noch nie von Menschen betreten, weil es keine Brunnen gibt. Am südlichen Ufer des Sandmeeres liegen hufeisenförmig Oasen. Auf einem Felssporn wurde schon im Mittelalter Taghit gegründet; die heute verfallene Altstadt mit ihren kariösen Lehmhäusern ähnelt einem Termitenbau. Wer den verwitterten Tafelberg erklimmt, erlebt einen grandiosen Blick auf die Oase und die Sandwüste.
Timimoun und Ghardaia, bestehend aus 5 Oasen
Am nächsten Tag Fahrt östlich zur alten Stadt Timimoun, der roten Oase. Der Ksar ganz aus Lehm ist eine ehemalige Wohnburg, und zu den großen Palmenhainen mit dem uralten Bewässerungssystem der Foggaras. Die Wasserstollen mit leichtem Gefälle wurden einst von Sklaven ausgehoben. Verschleppt aus Schwarzafrika, kamen sie mit Karawanen aus Timbuktu, dem heutigen Mali.
Am Rand der großen Oase El Meniaa östlich erhebt sich eine versandete katholische Kirche; dort ist das Herz von Charles de Foucauld begraben – Mystiker und Übersetzer der Tuareg-Sprache; er wurde 1916 in Tamanrasset ermordet. Vom Felsen mit der verfallenen Festung lässt sich der Sonnenuntergang mit Blick auf den grünen Palmenteppich genießen.
240 Kilometer nördlich, außerhalb des Sandgebirges, liegt Ghardaia, bestehend aus fünf einzelnen Oasen mit gestaffelten, pastellfarbenen Häusern. Dort leben noch immer die strenggläubigen Mozabiten – ihr Name kommt vom Tal des M’Zab, in dem sie ab dem 11. Jahrhundert in der lebensfeindlichen Steinwüste die Oasenstädte schufen. Das ganze Tal und die Orte mit ihrer kubischen, oft wulstigen Architektur wurden in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen – sowie sechs andere, vor allem römische Ruinenstädte wie Tipaza. Die Stadt Beni Isguen, älteste der fünf Oasen, gilt als heilig und ist von einer Mauer umgeben; auf dem Markt werden lautstark die Preise ausgerufen und verhandelt – nur von Männern. Frauen verschleiern sich hier vollkommen – nur ein Auge ist zu sehen.
Einzigartig: das Hoggar Gebirge im Süden beim Nomadenvolk der Tuareg
Wer die Zeit hat, fliegt noch nach Tamanrasset – ins vulkanische Hoggar-Gebirge, das mit Mondlandschaft nur sehr unzureichend beschrieben ist. Von Algier nach Tam, wie alle sagen, sind es knapp 2000 Kilometer. Das Hoggar ragt bis fast 3000 Meter in den Himmel – im Zentrum gebildet aus den Basaltfüllungen erloschener Vulkane. Als der Wüsteneremit Charles de Foucauld 1905 dort anlangte, gab es nur einige Tuareg-Familien. Mit den Tamarisken und einfachen Lehmhäusern im Ortskern ist noch immer etwas von jener Zeit spürbar.
Einzelne Kamele und wilde Esel stehen in der Wüste. Weiter schraubt sich die Piste hoch, mit geborstenen braunen Felsblöcken und steinernen Kugeln. Wasserbecken, gesäumt von Oleander, beleben die Felswüste. Charles de Foucauld errichtete auf dem Gipfelplateau auf 2660 Metern eine kleine Steinkapelle. Oben leben im Sommer drei Mönche seines Ordens; der spanische Bruder Ventura empfängt uns mit heißem Tee. Das Panorama von 360 Grad auf die Vulkanwüste mit Sonnenuntergang und riesige Basaltschlote ist einzigartig auf der Welt.
Wir fliegen zurück nach Algier und fahren der Küste entlang nach Tipasa. Dort gibt es ein römisches Amphitheater, gegrillten Fisch am Meer und kalten Rosé – alles ganz ohne andere Touristen – wie auf der gesamten Reise.
Jordanier essen zum
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