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Assekrem Hoggar - Algerien

Traumwüste mit Komfort

Traumwüste mit Komfort

Assekrem Hoggar - Algerien

In Algerien kann man Staunen – und nach langer Zeit wieder sicher reisen

Schon in Algier, der weißen Stadt am Mittelmeer, kamen wir nicht aus dem Staunen: prächtige weiße Häuser aus der Kolonial-Franzosenzeit am Küsten-Boulevard, wie in Nizza. Fahrt mit der modernen Metro (einziger auf dem Kontinent) zum ehemalischen Palast des türkischen Gouverneurs am blauen Meer. Und hoch hinauf in das Gassengewirr der Altstadt, der Kasbah.
Zwei Tage später katapultierte uns ein Tausend Kilometer-Flug von Algier südwestlich nach Béchar nahe der marokkanischen Grenze. Östlich davon erhebt sich ein Gebirge aus Sand. Der Große Westliche Erg ist etwa 300 x 600 Kilometer groß; am südlichen „Ufer“ dieses Sandmeeres liegen hufeisenförmig Oasen, die alle ihren eigenen Charakter haben.
Auf einem Felssporn wurde schon im Mittelalter Taghit gegründet; die verfallene Altstadt mit ihren kariösen Lehmhäusern ähnelt einem Termitenbau. Wir erklimmen einen verwitterten Tafelberg und haben einen grandiosen Blick auf die Oase und die Wüste. Nicht weit hinter Taghit bewundern wir schöne, über 8.000 Jahre alte Felsgravuren auf Felsbrocken mit Elefanten und  Löwen; Gravuren aus der Zeitenwende zeigen groß gehörnte Rinder.
Wir hatten ‚Komfortverzicht‘ erwartet, aber vor dem erneuerten, kleinen Hotel leuchtet hellblau ein Pool, und man erwartet uns im Restaurant vor gedeckten Tischen. Zu sechst sind wir hier unterwegs – alles Menschen, die schon viel gesehen haben und nicht reisen, um am Strand zu liegen: der knorrige Schwabe Hans (grade 80 geworden), das ebenso neugierige Paar aus dem Ruhrpott, Wolf aus Goslar und Peter aus Mainz.
Wir erkunden Timimoun, die ‚Rote Oase‘, den alten Ksar (ehemalige Wohnburg) und den großen Palmenhain mit dem uralten Bewässerungssystem der Foggaras – die Wasserstollen mit leichtem Gefälle wurden einst von Sklaven ausgehoben. Verschleppt aus Schwarzafrika, kamen sie mit Karawanen aus Timbuktu, im heutigen Mali.

Frans Lemmens

240 km nördlich, außerhalb des Sandgebirges: Ghardaia, bestehend aus fünf einzelnen Oasen mit gestaffelten, pastellfarbenen Häusern. Hier leben noch immer die strenggläubigen Mozabiten – ihr Name kommt vom Tal des M´Zab, wo sie in der lebensfeindlichen Steinwüste die Oasenstädte ab dem 11. Jahrhundert schufen. Das ganze Tal und die Orte mit ihrer kubischen, oft wulstigen Architektur wurde in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen (und 6 andere, vor allem römische Ruinenstädte, wie Tipaza).
Beni Isguen, eine der fünf Oasen, gilt als heilig und ist ganz von einer Mauer umgeben; auf dem Markt werden laut die Preise ausgerufen und gehandelt. Natürlich nur von Männern. Alte Frauen zeigen bis heute nur ein Auge unter dem schwarzen Schleier. Melika wird neben der Moschee von einem weißen, krummen und runden Marabut gekrönt, dem Heiligengrab. Von ihm ließ sich der berühmte Architekt Le Corbusier inspirieren – und von der ganzen Oase.
Drei von uns fliegen noch nach Tamanrasset – ins vulkanische Hoggar-Gebirge, die mit ‚Mondlandschaft‘ nur sehr unzureichend beschrieben ist. Von Algier nach ‚Tam‘, wie alle nur sagen, sind es rund 2.000 km – so weit wie nach Frankfurt. Das Hoggar ragt bis fast 3.000 m in den Himmel – im Zentrum gebildet aus den stehen gebliebenen Basaltfüllungen erloschener Vulkane. Als der Wüsten-Eremit Charles de Foucauld 1905 hier anlangte, lebten dort nur einige Tuareg-Familien. Hans, der jung gebliebene 80-jährige, bleibt noch zwei Tage an der Küste – in Tipasa, 95 km westlich von Algier. Mit seinem römischen Amphitheater, gegrilltem Fisch am Meer und kaltem Rosé. Und ohne andere Touristen – wie auch im Hoggar und auf unserer ganzen Reise.