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Angola - Kalundala Falls

Angola: das neue Reiseziel für Entdeckungsfreudige

Angola: das neue Reiseziel für Entdeckungsfreudige

Angola - Kalundala Falls

Von Werner Gartung

Angola entwickelt sich rasant zu einem der besten Reise-Tipps im Südwesten Afrikas. Mit seiner faszinierenden Mischung aus unberührten Landschaften – von der spektakulären Tundavala-Spalte, der Mondlandschaft gleich südlich von Luanda bis zu den tosenden Kalandula-Wasserfällen – und den lebendigen, kulturreichen Straßen Luandas bietet das Land ein Reiseerlebnis abseits ausgetretener Pfade, das den Reiz echter Pionierabenteuer versprüht. Das gilt ganz besonders für den Inoa-Nationalpark im äußersten Südwesten: eine Landschaft aus bizarren Felsen, Steinkugeln und Felsbrücken wie auf einem anderen Planeten. Hier sehen Sie Oryx-Antilopen, und im Atlantik oft Delphine. Krönung ist eine Offroad-Fahrt am Strand zur „Geisterinsel“ Tigres mit der verlassenen Kirche im Sand. Und erstmals kann man diese Wildnis mit Nord-Namibia verbinden.

Luanda und die schönste Bucht des Kontinents – mit einer langen Halbinsel

Schon ab Frankfurt „passt“ alles: Lufthansa fliegt Nonstop dreimal die Woche nach Luanda. Ein moderner Flughafen, schon ist das Visum im Pass – kostenlos. 6 Uhr morgens, die aufgehende Sonne spiegelt sich rot in den Glaspalästen am Meer, davor ziehen erste Jogger unter Palmen ihre Runden. Pastellfarbene kleine Kolonialgebäude der Portugiesen (man liebt Rosa) wirken fast erdrückt durch die modernen Hochhäuser: vor allem Erdöl hat dem Land nach 41 Jahren Krieg – von 1961 bis 2002 – zu Reichtum verholfen. Luanda punktet nicht nur mit der weiten Bucht, sondern auch mit der vorgelagerten Halbinsel Ilha do Cabo – mit einigen Hotels, Bootshafen, Wassersport, und natürlich vielen Kneipen. Wir sind mit ca. 80 € pro Zimmer im erstaunlich günstigen Thomson Art House. Die nur 16 Zimmer sind farbig-frisch, ohne unaufdringlich bunt zu sein. Entspannung beim Cuca-Bier und frischen gegrillten Tilapia (Caccusso) und würzigem Rindfleisch-Pica-Pau.

Angola - Felsenlandschaft © Robert Haidinger - Angola Tourism Board
© Robert Haidinger – Angola Tourism Board

Am nächsten Tag erkunden wir die Kapitale mit nun etwa 9 Millionen Menschen (fast ein Viertel aller Einwohner im Land, das dreieinhalb Mal so groß ist wie Deutschland). Portugal hat seine Spuren vor allem in der Architektur von berühmten Gebäuden wie dem Fort de São Miguel aus dem 16. Jh. und der Kathedrale von Luanda hinterlassen. Der Eiserne Palast hat eine skurrile Geschichte: er wurde ursprünglich von Gustave Eiffel für eine Weltausstellung entworfen, geriet aber auf dem Seeweg nach Madagaskar vom Kurs ab und landete 1896 in Luanda. Das Dach dieses Kulturzentrums ist gelb, der der große Markt, Mercato dos Congoleses östlich vom Zentrum aber leuchtet in allen Farben – denen der bunten Stoffe vieler Händlerinnen, von Gemüse und Obst.
Am Nachmittag eine Stunde entlang der Küste nach Süden zum Miraduro da Lua: Der Aussichtspunkt liegt auf einem Hügel und bietet einen beeindruckenden Panoramablick auf den Atlantischen Ozean und die felsige Küste der Stadt. Sein Name bedeutet “Aussichtspunkt des Mondes”: der farbige Sandstein am Meer ist nadelscharf erodiert.

Die zweitgrößten Wasserfälle Afrikas: zu den Calandula Falls

Angola - Kalandula Wasserfälle © Robert Haidinger - Angola Tourism Board
© Robert Haidinger – Angola Tourism Board

Nach gut 210 km erreichen wir den Ort N´Dalatando und besuchen den sehenswerten Botanischen Garten aus der Kolonialzeit. Er beheimatet eine beeindruckende Flora, darunter seltene Baumarten wie Bambus, Feigenbäume und Kautschukbäume. Der manchmal etwas verwilderte Garten eignet sich sehr gut für einen Naturspaziergang an diesem längeren Fahrtag. Nochmals 150 km weiter nach Osten, dann haben wir die Kahombo-Rinderfarm erreicht. Die gemütlichen Bungalows mit roten Schindeln bieten je zwei moderne, sehr schöne. Noch etwas mit dem Leihrad durch die grüne Landschaft und ein Bife à Portuguesa: dünne Steaks in einer Weißwein-Knoblauchsauce.
Wir können in Ruhe frühstücken und auf Wunsch auch eine Runde mit dem Rad drehen; Abfahrt gegen 10 Uhr – rund eine Stunde für die 60 km zu den Wasserfällen, davon 15 km Offroad/Piste. Die Fälle liegen im Verlauf des Lucala-Flusses und sind mit 400 m Länge und 100 m Höhe. die zweitgrößten des Kontinents. Ein großer Vorteil gegenüber den Victoria-Fällen ist, dass die Kalandula-Fälle vom Massentourismus verschont geblieben sind. Der Anblick ist überwältigend – und laut. Noch lauter wird es, als wir mit einem Guide auf schmalen Pfaden zum Fuß des donnernden Wassers gehen – die Wasserfälle von Calandula sind unvergesslich.

Von Lubango zur Tundavela Gorge und den Serra da Leba Pass an die Küste

Der Flug mit einer Turboprop-Maschine über das Hochland bringt uns süclich in die Stadt Lubango. Dann geht es gut 25 km nach Nordwesten zur Fenda da Tundavala: diese gigantische Schlucht ist ein absolutes Highligh. Die Klippen fallen abrupt hunderte Meter in die Tiefe und bieten einen atemberaubenden Blick über die Landschaft bis hinunter zur Küste. In der Nähe rauschen Wasser-Kaskaden. Das Gebiet ist ein weltbekannter Hotspot für seltene, endemische und afrikanische Vogelarten und Greifvögel.

Angola - Serpentinenstrasse Serra da Leba © Robert Haidinger - Angola Tourism Board
© Robert Haidinger – Angola Tourism Board

Von Lubango sind es nur knapp 40 km südwestlich nach Leba am Fuß des gleichnamigen Berges. In der Gegend leben verschiedene, sehr traditionelle ethnische Gruppen, wie die Mumuila, Mucubal, Himba und Kuvale. Wir halten im Straßendorf Mangueiras mit vielen Verkaufsständen – nicht nur mit Schnitzereien, auch mit Obst, Gemüse, hart gekochten Eiern, Getränken und vielem mehr. Vom Aussichtspunkt oben bietet sich ein grandioser Blick, bevor wir die vielen Kehren unter die Räder nehmen. Die Serpentinenstraße der Serra da Leba in der Provinz Huíla ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Sie überwindet auf etwa 25 Kilometern einen Höhenunterschied von 1.845 m auf fast Meeresniveau. Mit ihren spektakulären Serpentinen verbindet die Strecke die Hafenstadt Namibe mit dem Hochland von Lubango. Sie wurde 1975 fertig – im gleichen Jahr erlangte Angola nach langen Kämpfen endlich die Unabhängigkeit von Portugal. Wir kommen in das Wüstenhafte Tiefland und zur großen Hafenstadt Moçâmedes – bis 2016 hieß sie Namibe. Alle Zimmer des modernen Hotels Yona (mit großem Pool) bieten einen grandiosen Meerblick.

Wildnis aus bizarren Felsen und Sand am Atlantik: der Iona-Nationalpark

Gleich südlich der Stadt Moçâmedes am Atlantik beginnt der einzigartige Iona-Nationalpark. Einem tiefblauen Himmel weichen Dünenfelder üppigen Flächen, die nach dem letzten Regen im September in sattem Grün erstrahlen. Vor uns glitzert der Atlantik. Giraffen schreiten zwischen den Bäumen hindurch – ab 2024 wurden sie von African Parks hier wieder ausgewildert. Zwei Strauße sprinten über den Sand. Tausende von Südafrikanischen Seebären tummeln sich im Meer. Bei unserer Ankunft werden wir von João Lopes begrüßt. Er wurde in Angola geboren und floh bei Kriegsausbruch mit seinen Eltern nach Portugal; nun ist er als Parkmanager zurückgekehrt. „Iona besitzt eine ganz besondere Ausstrahlung“, sagt er. „Die Mischung aus den lokalen Gemeinschaften und kulturellen Werten, den Menschen, der Tierwelt und den Landschaften ist hier einzigartig.“

Angola - Iona-Nationalpark - Alamy
© Alamy

Offizielle Campingplätze gibt es hier noch nicht. Stattdessen schlagen wir unser Lager am Ufer des reißenden Cunene auf – winzig wirkend angesichts der majestätischen, orangefarbenen Dünen Namibias am gegenüberliegenden Ufer – und nächtigen inmitten bizarrer Felsformationen mit großen Sandsteinkugeln. Um meinen Gin Tonic zu genießen, balanciere ich auf einem Felsvorsprung, der aus dem Boden ragt. Verstreut im Gras liegen Patronenhülsen – eine bedrückende Erinnerung an die Vergangenheit. Die Silhouetten zweier Impalas zeichnen sich vor dem glutroten Sonnenuntergang ab. Alle Elefanten und Giraffen wurden hier im über 40jährigen Krieg gewildert, aber es gibt noch viele Zebras, Oryx-Antilopen, Strauße und auch Geparden – Oryx und Zebra sehen wir häufig.
Früh morgens geht es auf den nahen Gipfel des Monte Cársico. Der 360 Grad-Rundblick in die Wüste ist unvergesslich: in der sandigen Ebene stehen Schirmakazien, dahinter erheben sich cremefarbene Berge, die zu Türmen und Kugeln erodiert sind. Welche Eindrücke! Für uns geht die Reise weiter über die Grenze nach Namibia – auf der Suche nach den legendären Wüstenelefanten.