Äthiopien war eines der geheimnisvollsten Länder - und es zum Teil auch noch geblieben. Das christliche Hochland mit seinen steil abfallenden Tafelbergen und wilden Schluchten ist allein eine Reise wert. In Verbindung mit den Menschen und einer zweitausendjährigen Hochkulturgeschichte wird der Besuch Äthiopiens zu einem geistigen Abenteuer, das tiefe Spuren hinterläßt.
Die drei historischen Orte Gondar, Lalibela und Axum bilden zusammen mit Klöstern im Tanasee kulturelle Höhepunkte dieser Reise. Die größeren Entfernungen im wild zerklüfteten Land werden mit zweimotorigen Fokker-Maschinen (52 Plätze) der zuverlässigen ETHIOPIAN AIRLINES überbrückt. Fahrtstrecken legen wir mit lokalen Geländewagen zurück.
In der traumhaft schönen Hochgebirgslandschaft des Semien-Nationalparks sind wir vier Tage mit Mauleseln und einem Ranger zu Fuß unterwegs. Der Schwierigkeitsgrad ist für gute Wanderer gering. Übernachtung während der Trekkingtour in Zelten, sonst in geschmackvollen, meist landstypisch dekorierten Hotels (in Addis Abeba: 4* Hotel).
Die Hälfte des Landes liegt über 1.200 Meer; das Kernland über 2.000 Meter. Die vulkanische Bruchzone des "Rift Valley" (die durch das Rote Meer verläuft) teilt das äthiopische Hochland in einen größeren westlichen und einen kleineren südöstlichen Abschnitt und setzt sich weiter nach Süden fort.
Im Vielvölkerstaat leben heute rund 80 Millionen Menschen in etwa 300 Stämmen. Wir reisen überwiegend im Gebiet der Amharen. Sie bilden nur etwa ein Fünftel der Bevölkerung und regierten das Land als "Staatsvolk" seit altershehr bis zum Sturz von Haile Selassie. Er sah sich in direkter Abstammung von Menelik I, dem Sohn der Verbindung zwischen der Königin von Saba (Jemen) und König Salomon (Jerusalem) aus dem 9. Jahrhundert vor Christus. Menelik I soll die Bundeslade mit Moses´ Gesetzen, größtes Heiligtum der Juden, aus Jerusalem nach Axum gebracht haben.
Nach dem Sturz der Militärjunta 1991 übernahmen mit Meles Zenawi die nördlichen Tigrinier die Macht. Sie siedeln im dem Norden bis hin nach Eritrea. Äthiopien erfreut sich seit einigen Jahren eines anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwungs; Addis Abeba mit seinem modernen Flughafen ist zum größten Drehkreuz Ostafrikas für den Luftverkehr geworden.
Reiseverlauf
1.- 2. Tag: Frankfurt - Addis Abeba - Bahar Dar
Flug nach Addis Abeba (derzeit 23.15 - 07.25 Uhr). Die Stadt mit über 4 Mill. Einwohnern liegt auf 2.400 m Höhe und wurde von Menelik II zur Hauptstadt auserkoren, nachdem er 1889 zum Kaiser von ganz Äthiopien gewählt wurde. Addis Abeba wuchs ungeplant in Eukalyptuswälder hinein und wird von verstreut liegenden Stadtteilen geprägt. Seit einigen Jahren wird Addis mit großem Tempo modernisiert. Vormittags unternehmen Sie eine kleine Stadttour und besuchen auch das Volkskundemuseum (im ehemaligen Palast des Kaisers Haile Selaissie, jetzt Teil der Universität). Vom Entoto-Berg bietet sich ein eindrucksvoller Blick auf die Stadt.
Derzeit um 15 Uhr Flug nach Bahar Dahr (Luftlinie 400 km), gelegen am Südende des Tanasees.
Wir übernachten im Tana-Hotel, das geschmackvoll dekorierte Zimmer hat und mit einer exklusiven Lage direkt am See toppen kann - aber das Essen ist hier wie in anderen staatlichen Hotels nicht allzu gut. Deshalb essen wir an den zwei Abenden in Bahar Dar außerhalb: an diesem ersten Abend im ehemals staatlichen, betagten Hotel Ghion: eine halbe Stunde zu Fuß, auf einer Uferpromenade direkt am See. Doch das Essen auf der Terrasse ist sehr gut. Sie sollten vor allem Fisch aus dem Tanasee probieren. Tip: jeweils zur Hälfte („half-half“) grilled Tilapia und Fisch-Gulasch.
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Foto: Karl-Heinz Diehl
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3. Tag: Bahar Dar - Tanasee - Nilfälle
Im See liegen 37 Inseln; 20 von ihnen mit alten Klöstern, die meisten aus dem 12. bis 14. Jahrhundert. Bootsfahrt zur Halbinsel von Zeghie, Besuch der reich verzierten Rundkirche. - Die kleine Insel Kebran darf nur von Männern betreten werden. Ein Diakon bringt riesige Schlüssel und öffnet die knarrende Tür. Aus dem Dunkel schneidet der scharfe Lichtstrahl auch hier prächtige, vergilbte Malereien: Jesus am Kreuz und der Heilige Georg auf seinem Schimmel im Kampf gegen den Drachen sind immer wiederkehrende Motive.
Nachmittags Besuch der Wasserfälle des Blauen Nil. Hier stürzte vor dem Bau eines Staudammes im Jahre 2000 das Wasser auf einer Breite von zwei Kilometern in eine 45 m tiefe Schlucht. Nun sind meist nur noch einzelne Kaskaden zu sehen, aber es ist trotzdem eindrucksvoll.
Zweite Übernachtung in Bahar Dar.
4. Tag: Bahar Dar - Gondar (175 km)
Morgens fahren wir am Ostufer des Sees nach Gondar, der ehemaligen Kaiserstadt. Auf einem Hügel versteckt sich die Debre Berhan Salassie-Kirche hinter hohen Mauern. Das Torhaus wird von zwei Türmen flankiert; zwei Erzengel bewachen die schweren Türen. Besonderheit im Innern der reich bemalten Kirche ist die ganz mit Engelsköpfen verzierte Balkendecke. Abendessen und Übernachtung im Hotel Goha hoch über der Stadt.
5. Tag: Gondar - Debark - Sankaber
(140 km)
Die Fahrt nach Norden führt uns durch eine imposante Gebirgslandschaft nach Debark. Der Ort liegt am Westrand des wilden Semien-Gebirges. Nach den Formalitäten Fahrt bis zum ehemaligen Camp von Sankaber. Hier warten schon unsere Begleiter und die genügsamen, gutmütigen Maulesel auf uns. Wir gehen maximal eine Stunde zu einem markanten Aussichtspunkt und schlagen das Zeltcamp auf. Gekocht wird im Freien (mitreisender Koch).
6. Tag: Sanka Ber - Geech (18 km)
Heute gehen wir von 3.230 auf 3.600 Meter. Aus Felsspalten eines gigantischen Inselberges stürzt nach der Regenzeit ein Wasserfall. Scheue Hirtenjungen mit ihren Fellumhängen und Mützen aus Schafwolle bewachen ihre Tiere. Wir stehen staunend am ersten Steilabfall und blicken wie aus der Vogelschau auf die wild zerklüftete Landschaft mit ihren Tafelbergen und winzigen Dörfern in extremer Isolation. Östlich von Geech leben keine Menschen mehr - nur noch Steinböcke und Gelada-Affen. Camp.
7. Tag: Geech - Imit Gogo - Geech (ca. 15 km)
Ungefähr zwei Stunden benötigen wir zum "World´s End" durch eine Hochmattenzone und vorbei an riesigen Lobelien mit ihren antennenförmigen, hohen Blütenkerzen. Wenn wir Glück haben, so kommt uns eine große Herde Gelada-Affen in geschlossener Formation entgegen - nicht etwa angriffslustig, sondern emsig mit dem Zupfen von Gras beschäftigt. Sie gehören zu den konsequentesten Vegetariern des Tierreichs. Jedes Männchen mit Löwenmähne besitzt einen Harem von mindestens fünf Weibchen. Am späten Nachmittag erreichen wir wieder unser Camp in Geech (Zeltplatz, KALTE Dusche und Toilette).
8. Tag: Bei Geech
Wir können heute "bummeln" (Wanderung von einer Stunde vom Camp zum Aussichtspunkt Kedatit) oder von dort aus entlang des Steilabfalls nochmals etwa drei Stunden zu einem weiteren "Viewpoint" gehen. Besuch des Dorfes Geech und des Webers. Vierte Nacht im Camp über Geech.
9. Tag: Geech - Sanka Ber - Debark - Gondar (140 km)
Wir brauchen weniger als drei Stunden, um wieder über Geech, den Jinbar-Fluß an die Schotterstraße nach Debark zu gelangen. Die Fahrzeuge warten schon. In vielen Kurven verläuft die 1994 neu instandgesetzte Schotterstraße nach Debark. Von hier aus sind es noch rund 100 km nach Gondar. Besichtigung der Sehenswürdigkeiten oder Zeit zur freien Verfügung. Abendessen/Übernachtung wieder im Hotel Goha.
10. Tag: Gondar - Lalibela
Am Morgen um 9.10 Uhr halbstündiger Flug mit einer Turboprop-Maschine (52 Plätze) über das wild zerklüftete Hochland. Lalibela hat sich teilweise über die Hänge hinweg ausgedehnt und besteht im alten Kern noch aus zweistöckigen Tukuls (Rundhütten), einer altertümlichen Bauweise des Hochlandes. 10 der 11 Kirchen sind unter dem letzten mächtigen Zagwe-König Lalibela (1181-1221) entstanden. Der Legende nach erhielt er einen göttlichen Auftrag und wollte die Hauptstadt seines Reiches in ein neues Jerusalem verwandeln. Die Überlieferung berichtet weiter, Lalibela habe das Werk mit Hilfe von Engeln in 23 Jahren fertig gestellt. Handwerker aus Jerusalem und Alexandrien leiteten die gigantische Arbeit, die rund 100 Jahre gedauert haben muß.
Die Felskirchen sind weltweit einzigartig - Bauwerke nicht durch Hinzufügen, sondern durch Wegnehmen und Aussparen. Treppen und Säulen, Türen, Schmuckwerk, Gesims, Regenrinnen, Skulpturen im Innern der dämmrigen Kirchen - alles ist aus einem Stück Fels entstanden. Wir besuchen den ersten Teil der Kirchen. Abendessen, Übernachtung im Yemrehenna-Hotel im Norden des Ortes mit geschmackvoll dekorierten Zimmern oder im neuen "Mountainview Hotel" mit herrlichem Rundblick.
11. Tag: Lalibela
Morgens unternehmen wir ab etwa 7 Uhr einen Ausflug zur Kirche Asheten Maryam hoch oben am Berg. Denken Sie an Wasser, Sonnencreme, an eine Kopfbedeckung und evtl. etwas zu Essen. Der Aufstieg zu dieser halb monolithischen Kirche dauert gut zwei Stunden. Gehen Sie am Besten und benutzen Sie das Tier als „Gepäckträger“ - das ist rascher und bequemer als das oft holprige Reiten; oben an der steilen Strecke muss ohnehin abgestiegen werden.
Zwei blaue Blechtüren führen in Grotten, die auch als Kirchen genutzt werden. Zur halb monolithischen Kirche gelangt man durch eine oben bemooste, dunkle Felsklamm. Man gelangt dann auch hier in einen Innenhof mit Nischen, Durchgängen und Höhlen; sehenswert ist ein bemoostes Steinkreuz. Die Kirche ist seit etwa 10 Jahren von einem Wellblechdach auf einfachen Holzträgern geschützt. Der eher kleine Gebetsraum ist vollkommen schlicht und deshalb nicht ohne Reiz; unter der Decke sind drei Kreuze eingearbeitet, die an Malteserkreuze erinnern; eine Theorie besteht ja darin, dass Kreuzritter die Architektur der Felskirchen angestoßen haben.
Nach dem Mittagessen besuchen wir den zweiten Teil der Felskirchen mit 5 Gotteshäusern. Bjet Emanuel ist eine Kopie der aksumitischen "Sandwichbauweise" - Holz und Stein in parallelen Lagen - aber hier ganz aus dem Fels geschlagen. Wunder überall - von einem Dach der Kirche treten wir in den Hof der nächsten, aus der Sonne wieder in modrigen Dämmer.
Als wolle sie sich bewusst absondern, versteckt sich die wohl schönste aller Kirchen weiter südlich hinter einem Hügel und alten Olivenbäumen: Bjet Georgis, die Georgskirche, ist rein monolithisch und besticht mit perfekter Kreuzform. Zweite Übernachtung im Hotel.
12. Tag: Lalibela - Axum
Morgens einstündiger Flug über das nördliche Hochland nach Axum, der "Kernzelle" des äthiopischen Reiches. In der Kathedrale der Heiligen Maria von Zion (4. Jh., nach der Zerstörung durch Achmed Gran im 17. Jh. neu gebaut) soll im Allerheiligsten die Bundeslade mit den Gesetzestafeln von Mose aufbewahrt sein, die Salomons Sohn Menelik I aus Jerusalem entführte und auf einer Insel im Tanasee vergrub, bis sie mehrere Jahrhunderte später nach Axum gebracht wurde. Die Bibel berichtet von Wundern der Bundeslade - sie hat Flüsse umgekehrt und Städte zerstört. Und sie half Kaiser Menelik II, 1896 gegen die bewaffnete Übermacht der Italiener bei Adua (40 km östlich von Axum) zu gewinnen - sagen gläubige Äthiopier.
In Axum soll es über 100 Stelen gegeben haben. Im "Park der Stelen" können wir den eindrucksvollen Rest bewundern: die noch stehende größte ist 23 m hoch; die zerbrochene und am Boden liegende Stele mißt 33 Meter. Etwa ebenso groß ist eine Stele, die unter Mussolini 1936 nach Italien gebracht wurde und seither in Rom den Petersplatz zierte. Sie wurde wieder Äthiopien übergeben und im September 2007 errichtet. Wir besuchen auch die Gräber des Königs Kaleb und seines Sohnes Gebra Maskal. Während seiner letzten Lebensjahre meditierte der König (514-542) als Einsiedler. Treppen führen hinunter in die Gruften mit steinernen Särgen und aus dem Felsen geschlagenen Verzierungen. Bei den Ruinen der Kirche Abba Libanos bietet sich ein schöner Blick nach Osten. Westlich von Axum die Ruinen eines großen Tempels - landläufig der "Palast der Königin von Saba" genannt, deren Grab sich gegenüber unter einer der groben, kaum behauenen Stelen befinden soll. Gutes Hotel.
13. Tag: Axum - Adigrat - Mekelle (260 km)
Östlich von Axum öffnet sich eine grandiose Landschaft mit wie gefalteten, gezackten Bergen. Gute 20 km hinter Adua fahren wir einige Kilometer auf einer Seitenstraße und sehen schon von weither die wuchtige Turmruine des legendären Tempels von Yeha, der aus dem 5. Jh. v. Chr. stammt. Yeha mit seiner alten Kirche war die erste Hauptstadt des Reiches von Axum.
Über die Provinzstadt Adrigrat führt die Fahrt weiter nach Süden. Nach rund 50 km erreichen wir den Ort Negash, in dem zu Beginn der Ausbreitung des Islam (7. Jh.) verfolgte Moslems Schutz fanden und heute eine schöne Moschee steht. Die bisher kaum besuchte Felskirche Mariam Wukro ist ein Juwel in rauher Schale - nur eine glatte Front ist über den kleinen Eingangstüren aus einem sich hoch auftürmenden Berg geschlagen. Innen sehen wir kunstvolle Rund- und Doppelbögen - wie in Lalibela, alles aus massivem Fels geschlagen. Wir erreichen schließlich Mekelle, Hauptort der Region Tigrey. Abendessen und Übernachtung meist im historischen Abraha Castle Hotel, Sitz von Kaiser Johannes IV (1871 1889).
14. Tag: Mekelle - Addis Abeba
Morgens (derzeit 09.20 Uhr) Rückflug nach Addis Abeba. Addis Abeba ist planlos gewachsen und wird von Landeskennern auch als "größtes Dorf der Welt" bezeichnet. Sehenswert sind die Kidane Mehret-Kirche und das Nationalmuseum. Für den Nachmittag empfiehlt sich ein Besuch des Mercato, dem größten überdachten Markt des Kontinents.
Abschiedsessen in einem guten äthiopischen Restaurant und Übernachtung.
15. Tag: Addis Abeba - Frankfurt
Fahrt gegen 7 Uhr zum Flughafen; Rückflug (entlang des Nil, über Kairo und Griechenland) 10.05- 16.35 Uhr.
Flugtage mit Ethiopian: täglich außer Mo und Fr (Abflug jeweils 23.15 Uhr, Rückfluge 10.05 - 16.35 Uhr).
Leistungen: Alle beschriebenen Fahrten und Eintrittsgelder; Trekkingtour im Semien mit Ranger-Begleitung, einem Maulesel pro Person und Lasttieren; einheimische und professionelle Reiseleitung (englischsprachig); alle Eintrittsgelder; Halbpension (Frühstück und Abendessen), Vollpension vom 7. - 9. Tag (Semien); Detailkarte Semien, Sicherungsschein.
Nebenkosten: Flüge nach Addis Abeba und Inlandsflüge (ab ca. 1.000 €); Visa (17 € oder 20 Dollar, bei der Einreise), Versicherungen, Trinkgelder, persönliche Ausgaben.
Homepage: www.oasereisen.de